Interview mit Johannes und Christian Spiess

Warum sind Sie beide Winzer geworden?

Beide: Die Leidenschaft zum Winzerdasein wurde uns schon früh von unseren Eltern vorgelebt. Mit dem Wein-Virus wurden wir so richtig in unseren Lehrbetrieben infiziert.

Wer sind Ihre wichtigsten Vorbilder?

Christian: Es gibt viele gute Winzer, die es schaffen unbeschreiblich große Weine zu produzieren. Und wenn diese, trotz allem Renommee und Lob die Bodenhaftung nicht  verlieren, mit sich und ihrem Tun im Einklang sind, eine außergewöhnliche Liebe zum Beruf haben und einen starken Familienzusammenhalt, dann sind dies Vorbilder für mich.

Was waren Ihre schönsten Weinerlebnisse?

Johannes: z.B. Eine Weinprobe mit Geisenheimer Studenten bei einem sehr bekannten und renommierten Winzer an der Mosel, dessen Name uns damals schon ehrfürchtig stimmte und der so offen und herzlich mit unsere Gruppe verkostet hat, wie ich es sonst nur noch in meinen Lehrbetrieben kennen gelernt habe. Auch in meiner Lehrzeit hatte ich unheimlich spannende Begegnungen mit Wein, die ich an dieser Stelle gar nicht alle aufzählen kann, die aber sehr prägend waren für mich.

Was sind Ihre Lieblingsgerichte?

Johannes: Am liebsten ein richtig gutes Stück Fleisch, medium gebraten und ohne viel Beilagen Schnick-Schnack dazu ein tiefgründiger Spätburgunder aus dem Hasensprung.

Welche Arbeit im Betrieb macht Ihnen nicht so viel Spaß?

Johannes: Unangenehme Anrufe bei schwierigen Persönlichkeiten, Aufräumarbeiten an eher uneinsichtigen Stellen, Büroarbeiten die nicht eilen.

Wenn Sie wählen müssten: Was wären Ihre letzten Weine?

Beide: Es wäre definitiv ein gereifter Riesling aus einem besonderen Jahrgang. Besonders gerne von der Nahe oder aus Rheinhessen. 

Hintergrundinformationen zum Weingut Spiess:

Das Weingut Spiess ist das erste Weingut aus Rheinhessen, das Mitglied im FAIR and GREEN e.V. geworden  ist. Schon seit 1509 baut die Familie Wein an, zuletzt mit Jürgen Spiess als Betriebsleiter. Dieser übergab das Weingut erst vor kurzem an seine zwei Söhne Johannes und Christian, die frisch aus der Lehre kommen. Diese wurde bei namhaften Weingütern, wie dem Weingut Philipp Kuhn, absolviert.

Obwohl sie selber noch sehr jung sind, achten die zwei jetzt schon auf die nachfolgenden Generationen und setzen deswegen auf das Konzept nachhaltiger Weinbau. So wird auf Qualität statt Masse gesetzt und die Böden so bewirtschaftet, „dass der Weinberg in seiner Natürlichkeit erhalten bleibt und auch nachfolgende Generationen hier noch Wein anbauen können“. Das bedeutet neben einem gezielten Erntemanagement auch den Verzicht auf Herbizide.

Auf 30 Hektar bauen die beiden Jungwinzer jeweils zur Hälfte rote und weiße Rebsorten an. Die Lagen Bechtheimer Hasensprung, Geyersberg, Heilig-Kreuz und Westhofener Kirchspiel bringen neben Riesling und Chardonnay unter anderem auch Spätburgunder und Cabernet Sauvignon hervor. Dafür wurde das Weingut Spiess sowohl vom Eichelmann als auch vom Gault-Millau mit drei Sternen bzw. Trauben ausgezeichnet.